Alfred A. Schmidt – unser „Gründungsvater“!

von Fritz Jürgen Obst, Dresden/Radebeul

Wir alle wissen, dass die Initiative zur Gründung unserer Arbeitsgemeinschaft „Literatur und Terrarienkunde“ von Alfred A. Schmidt ausging. Er war es, der einerseits versuchte, die „Bibliophilen“ unter den Terrarianern und Herpetologen in der DGHT an einen Tisch zu bringen, genauso aber auch diejenigen, deren Interesse der Geschichte unserer Liebhaberei und der Herpetologie galt. Es war ihm ein Anliegen, die Leute zusammenzubringen, die diesen speziellen Bereichen unserer Interessengebiete genauso eng verbunden sind wie er selbst. Dass Alfred A. Schmidt nicht nur ein äußerst vielseitig aktiver Terrarianer und dabei vor allem auch Züchter von Amphibien und Reptilien ist, wissen alle DGHT-Mitglieder – spätestens, seitdem sie den „Alfred A. Schmidt-Preis“ kennen und sich vielleicht selber schon um ihn beworben haben. Den Preis also, der bedeutenden Erst- und Wiederholungszuchten nicht ganz leicht zu pflegender Amphibien und Reptilien gewidmet ist. Alfred A. Schmidt hatte ihn vor zehn Jahren, anlässlich seines 70. Geburtstages gestiftet. Gewissermaßen um sich selbst etwas zu schenken, indem er anderen erfolgreichen Züchtern den Anreiz gab, ihren in den meisten Fällen äußerst bemerkenswerten Zuchtergebnissen eine Veröffentlichung aller ihrer Geheimnisse folgen zu lassen, getreu dem bei Wilhelm Busch entliehenen Motto: „Guter Menschen Hauptbestreben ist, anderen etwas abzugeben!“. Das sollten also nicht nur die in der Regel heißbegehrten Nachzuchttiere sein, sondern auch die Haltungs- und Reproduktionserfahrungen, die oft jahre- bis jahrzehntelange Bemühungen um eine bestimmte Art reflektieren. Dass also sehr gute, höchst originelle und zutiefst originale Berichte möglichst in die „Salamandra“, das Flagschiff in der Publikations-Flotte unserer Gesellschaft eingehen, war dem Preisstifter ein wichtiges Anliegen. Er wurde auf diese Weise zum Promotor mancher wertvoller Publikation, welche die „Salamandra“ in ihrer weltweit einzigartigen Rolle, gemeinsames Publikationsorgan der wissenschaftlichen Herpetologie und der Terrarienkunde auf höchstmöglichem Niveau zu sein, wirkungsvoll unterstützte.

Darüber hinaus fördern auch im vereinsinternen Journal „elaphe“ solche Beiträge natürlich ebenfalls unser Ansehen – vor allem in den Augen der Terrarianer, Tiergärtner und Tierschützer, die sich besonders der Erhaltung der lebenden Tiere verpflichtet fühlen, also dem Artenschutz, so ungern dies die Feinde jeglicher Wildtierhaltung in Menschenhand auch hören mögen.

Nach den Ergebnissen der letzten zehn Jahre zu urteilen, kann man heute mit Fug und Recht sagen: lieber Alfred, das ist dir bestens gelungen! Herzlichen Dank!

In seinem langen Leben hat Alfred A. Schmidt aber auch vieles geleistet, was sich unmittelbar auf die Organisation der zahlreichen Liebhaber auswirkte – auf Amateure sowie der zahlenmäßig wenigen akademischen Zoologen, die sich der Herpetologie und meist auch eingebunden der Terraristik beruflich zuwendeten und dabei auch noch eine der raren Amtsstellen in einem zoologischen Universitätsinstitut, einem wissenschaftlichen Museum oder einem größeren Zoo innehaben. Diese weltweit besonders einzigartige Verbindung von Profis und Amateuren in einunddemselben Wissenschaftsbereich war das Markenzeichen des 1918 gegründeten „Salamanders". Das ist untrennbar mit den Namen Wolterstorff, Klingelhöffer, Mertens und „zwei- bis drei Hände voll“ weiterer Persönlichkeiten verbunden. Und der Name Alfred A. Schmidt ist einer dieser Namen unter den „jüngeren“ so paradox das heute zu seinem 80. Geburtstag auch klingen mag.

Alfred A. Schmidt war 1964 Leiter des Frankfurter „Salamander“-Kreises, einer der aktivsten im Frankfurter „Froschkränzchen“. Diese Leute waren es, die unter dem Einfluss ihres renommierten Mitgliedes Prof. Dr. Robert Mertens erkannt hatten, dass man den in jeder Hinsicht zu groß und zu alt gewordenen „Salamander“ aus dem Knabenanzug holen und in eine neue Fasson stecken muss: die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde“ und ihrer Zeitschrift „Salamandra“ als Hommage an das Wappentier des alten „Salamanders“ war damals beschlossene und bald praktizierte Sache!

Der als Geschäftsmann erfahrene und bewanderte, als Terrarianer und Amateur-Herpetologe ebenso erfolgreiche und allseits wohlgeachtete Alfred A. Schmidt war bei dieser „Doppelgeburt“ der DGHT und ihrer „Salamandra“ einer der wichtigsten „Geburtshelfer“, die die fehlende Hebamme tatkräftig unterstützten. Man sieht also, seine Initiativen im Zusammenhang mit der Entstehung unserer AG wie vorher auch schon bei der Bildung der „Arbeitsgemeinschaft Urodela“ bei der Alfred A. Schmidt seine geschickten Hände mit im Spiel hatte, sind nichts Neues im Leben unseres Jubilars, sondern im besten Sinne des Wortes „Wiederholungstaten eines “

Alfred A. Schmidt hat dann auch unserer jungen Arbeitsgemeinschaft wiederholt großzügig geholfen, damit sie mit Publikationen an die Öffentlichkeit treten konnte, damit das von einzelnen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft auf Tagungen Vorgetragene und Zusammengefasste über herpetologische Werke, bedeutende Persönlichkeiten unseres Fachgebietes und über interessante kulturgeschichtliche Reflexionen der Lurche und Kriechtiere für einen großen Leserkreis festgehalten werden konnte. Seine Hilfs- und Förderbereitschaft war erfolgreich „ansteckend“, und gemeinsam mit ihm ermöglichten einige weitere Spender aus unseren Reihen die ersten beiden Jahrgänge und das erste Sonderheft unserer „Beiträge zur Literatur und Geschichte der Herpetologie und Terrarienkunde“. Allen diesen Sponsoren, hervorzuheben besonders noch die Herren Brahm und Methner, sei an dieser Stelle gemeinsam großer Dank gesagt!

In unseren Kreisen, den „Sekretären“ der Geschichte der Herpetologie und Terrarienkunde, die als „Bücherwürmer“ in alten Schwarten und Zeitschriften lustvoll wühlen, ist es kein Geheimnis, dass Alfred A. Schmidt einer unserer „Schlimmsten“ ist: kaum jemand hat schon so viel durchstöbert an alten Schmökern und derart viel davon in seiner Behausung zusammengetragen wie er! Die herpetologische Bibliothek Alfred A. Schmidts ist eine der größten, vollständigsten und schönsten, die wir im deutschen Sprachraum haben! Wir Sammler wissen ja selber gut genug, was wir für eine kauzige Gesellschaft sind, und welche seltsamen Vögel wir mitunter auch in unserer Mitte haben: die ihre Schätze sorgsam hüten, aber auch behüten vor den Blicken der Gleichgesinnten und abschirmen vor aller Welt. Die Gründe für Diskretion und Bedacht mit wertvollem Besitz sind jedem geläufig, aber schließlich muss auch hier wieder der bereits am Anfang zitierte Spruch von Wilhelm Busch greifen, wenn solche Sammelleidenschaft und solcher heimlicher Forschergeist im eigenen Bücherkabinett gesellschaftlichen Sinn haben sollen: das tun sie, wenn sie denn helfen, Kostbares für die Allgemeinheit durch privates Engagement zu bewahren, und wenn die Ergebnisse allen Interessenten zugänglich gemacht werden. Das ist das Ziel unserer Arbeitsgemeinschaft, dem sich Alfred A. Schmidt bereits Jahrzehnte vor ihrer Gründung verbunden fühlte, nach dem er in den Jahren unserer jungen Gemeinschaft handelte und für das wir ihm noch ein langes, erfolgreiches und still-vergnügliches Sammler- und Forscherleben inmitten der Bibliophilen und der Historiker aus dem Kreise der Herpetologen und Terrarianer wünschen!

Quelle: Obst, F. J. (2004): Alfred A. Schmidt – unser „Gründungsvater“ wurde 80 Jahre!. – Sekretär (Rheinbach) 4(1): 3-5.